Von Ancient Egyptian Artist - http://news.bbc.co.uk/media/images/49716000/jpg/_49716437_kingherihorandqueennodjmetadoreosiris,detailfromthebookofthedeadofnodjmet.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14731568

Die abenteuerliche Reise des Wenamun — eine äqyptische Papyrus-Schrift neu interpretiert

Die Rei­se des Wenamun hielt man zu Beginn für einen all­täg­li­chen ägyp­ti­schen Rei­se­be­richt aus der Zeit des Neu­en Reichs. Die gan­ze Sto­ry samt ihrer Ent­de­ckung kann man hier nach­le­sen:

https://www.sterntours.de/aegypten-reisen/aegypten-reisefuehrer/mythen-und-legenden/wenamuns-abenteuer

Es gibt dazu auch eine schö­ne Pod­cast-Fol­ge von Pod­cast “Geschich­ten aus de Geschich­te”, Fol­ge GAG533, durch den ich über­haupt dar­auf kam. Unbe­ding­te Emp­feh­lung!

Schwarz-Weiß-Foto eines Teils der ersten Seite des Papyrus Moskau 120
Schwarz-Weiß-Foto eines Teils der ers­ten Sei­te des Papy­rus Mos­kau 120

Ich habe sie spa­ßes­hal­ber mal durch claude.ai gejagt in zwei Fas­sun­gen.

Hier mein Prompt


Dan­ke Clau­de! Also: Es gibt die Geschich­te von Wenamun: “Die aben­teu­er­li­che Rei­se des Wenamun”. Zum Bei­spiel hier zusam­men­ge­fasst:

https://www.sterntours.de/aegypten-reisen/aegypten-reisefuehrer/mythen-und-legenden/wenamuns-abenteuer

Kannst du die irgend­wie als etwas moder­ne­re Aben­teu­er­ge­schich­te auf­be­rei­ten?


Hier das Ergeb­nis

Ich habe die Geschich­te gele­sen. Die ist wirk­lich span­nend — Dieb­stahl, Diplo­ma­tie, feind­li­che Krie­ger, Flucht… da steckt ganz schön viel drin! Hier ist mei­ne moder­ni­sier­te Ver­si­on:

Version 1 — “modern”

Wenamuns Reise ans Ende der Welt

Der Auf­trag kam von ganz oben.

Wenamun, Ver­wal­tungs­be­am­ter im Tem­pel des Amun zu The­ben, wur­de in das Büro des Hohe­pries­ters zitiert. Die Göt­ter­bar­ke — das präch­ti­ge Schiff, das Amun bei den gro­ßen Pro­zes­si­ons­fes­ten durch die Stadt trug — brauch­te neu­es Holz. Liba­ne­si­sche Zeder, das Bes­te, was es gab. Und Wenamun soll­te es beschaf­fen.

„Eine Rou­ti­ne­mis­si­on”, sag­te man ihm. „Du fährst nach Byb­los, bezahlst den Fürs­ten, lädst das Holz ein, kommst zurück.“Wenamun pack­te sei­nen Rei­se­beu­tel und mach­te sich auf den Weg. Er ahn­te nicht, dass er so schnell nicht zurück­keh­ren wür­de.

Erster Reinfall: Tanis

Ägyp­ten war zu die­ser Zeit kein eini­ges Reich mehr. Im Nor­den, in der Resi­denz­stadt Tanis, saß König Smen­des mit sei­ner Frau Ten­ta­mun — fak­tisch unab­hän­gi­ge Herr­scher, poli­tisch auf Distanz zu The­ben. Wenamun über­brach­te höf­lich die Gruß­schrei­ben der Pries­ter­schaft. Man emp­fing ihn freund­lich, ließ ihn essen und schla­fen — und schick­te ihn dann auf dem erst­bes­ten Han­dels­kahn wei­ter Rich­tung Syri­en. Kein könig­li­ches Schiff, kein diplo­ma­ti­sches Geleit. Eben ein Han­dels­kahn.

Herz­lich will­kom­men in der neu­en Welt­ord­nung, Wenamun.

Zweiter Reinfall: Dor

An der paläs­ti­nen­si­schen Küs­te leg­te das Schiff in Dor an, einer klei­nen Hafen­stadt. Wäh­rend Wenamun schlief, ver­schwand jemand mit sei­nem Rei­se­geld. Gold, Sil­ber — alles weg. Ver­mut­lich ein Matro­se der eige­nen Crew.

Wenamun mar­schier­te zum Stadt­fürs­ten Beder und for­der­te Ent­schä­di­gung. Beder zuck­te die Schul­tern. „Wenn jemand von dei­ner eige­nen Mann­schaft das Geld geklaut hat — was soll ich da tun?” Kein Unrecht auf sei­nem Ter­ri­to­ri­um, kein Pro­blem für ihn.

Wenamun war­te­te neun Tage lang. Dann reis­te er ab — ohne sein Geld, aber mit einer Idee.

In Tyros, der nächs­ten Hafen­stadt, nahm er kur­zer­hand Sil­ber von einem ande­ren Schiff als Faust­pfand. „Ihr bekommt es zurück, wenn man mir mein Eigen­tum ersetzt.” Ob das legal war, stand auf einem ande­ren Blatt.

Byblos: Der schwierige Gastgeber

Tje­ker-Baal, Fürst von Byb­los, war kein Mann für sen­ti­men­ta­le Gefäl­lig­kei­ten. Als Wenamun in sei­nem Hafen anker­te und höf­lich anfrag­te, ob man viel­leicht über Zedern­holz reden könn­te, ließ der Fürst ihm täg­lich eine Nach­richt schi­cken: „Hau ab.”

Wein­trin­ken und wie­der schla­fen, das tat Wenamun. Und war­te­te.
Dann geschah etwas Merk­wür­di­ges. Mit­ten in einer Opfer­ze­re­mo­nie am Hof geriet ein jun­ger Höf­ling in Eksta­se — ergrif­fen, wie man sag­te, vom Gott Amun selbst. Er pro­phe­zei­te laut: Wenamun sei kein gewöhn­li­cher Gesand­ter. Der Gott habe ihn per­sön­lich geschickt.

Tje­ker-Baal ließ Wenamun rufen.

Das Gespräch, das folg­te, war diplo­ma­tisch, aber hart. Der Fürst mach­te klar: Ägyp­ten moch­te ein­mal die Welt­macht schlecht­hin gewe­sen sein, aber das war vor­bei. Er war nie­man­dem ver­pflich­tet. Wenn Wenamun Holz woll­te, muss­te er zah­len — und zwar ange­mes­sen.

Wenamun schick­te einen Boten nach Tanis. König Smen­des reagier­te über­ra­schend groß­zü­gig: Er ließ Gold, Sil­ber, Lei­nen und ande­re Waren nach Byb­los ver­schif­fen. Tje­ker-Baal war zufrie­den. Er schick­te sei­ne Män­ner in die Ber­ge, ließ Zedern fäl­len und das Holz an den Strand brin­gen.
Wenamun atme­te auf. End­lich.

Das Holz lag am Strand. Und sonst nichts.

Zwei Jah­re ver­gin­gen. Kei­ne Trans­port­schif­fe aus Ägyp­ten. Das kost­ba­re Zedern­holz lag am Strand von Byb­los und war­te­te, wäh­rend Wenamun mit wach­sen­der Ner­vo­si­tät auf Nach­richt aus der Hei­mat hoff­te.

Dann kamen Schif­fe — aber kei­ne ägyp­ti­schen. Es waren Schif­fe der Tje­ker, ein See­völ­ker­stamm, der den Ägyp­tern spin­ne­feind war. Und sie hat­ten Wenamun erkannt. Elf Schif­fe leg­ten im Hafen an, und die Bot­schaft an Tje­ker-Baal war unmiss­ver­ständ­lich: Die­sen Mann wol­len wir. Gebt ihn uns her­aus.

Tje­ker-Baal saß in der Klem­me. Die Tje­ker waren mäch­ti­ge See­fah­rer. Ande­rer­seits konn­te er einen Gesand­ten nicht ein­fach auf sei­nem eige­nen Ter­ri­to­ri­um dem Tod aus­lie­fern.

„Ich kann nicht zulas­sen, dass ihr einen Gesand­ten des Amun in mei­nem Hafen ver­haf­tet”, sag­te er zu den Tje­ker-Haupt­leu­ten. „Aber wenn er erst auf offe­ner See ist — da bin ich für nichts mehr ver­ant­wort­lich.“
Und zu Wenamun sag­te er schlicht: „Lauf.”

Zypern: Das offene Ende

Wenamun ent­kam. Sein Schiff segel­te durch die Nacht, und er kam schließ­lich auf Zypern an — erschöpft, mit­tel­los und weit weg von zu Hau­se. Aber auch dort war er nicht sicher. Eine auf­ge­brach­te Men­ge woll­te ihn töten.

Er kämpf­te sich bis zur Fürs­tin der Hafen­stadt vor. Er rede­te. Er fleh­te. Er argu­men­tier­te.

Die Fürs­tin hör­te ihm zu. Sie ließ ihn am Leben.

Und dann — bricht der Text ab. Der Papy­rus endet mit­ten in der Geschich­te. Ob Wenamun je nach Hau­se kam, ob das Zedern­holz je den Nil hin­auf­ge­bracht wur­de, ob die Göt­ter­bar­ke des Amun je gebaut wur­de — wir wis­sen es nicht.

Was bleibt, ist das Bild eines Man­nes, der einen Auf­trag erfül­len woll­te — in einer Welt, in der die alte Ord­nung gera­de zu Ende ging und nie­mand mehr so recht wuss­te, wer wem noch etwas schul­de­te. Ein Büro­kra­ten­alpd­raum aus dem Jahr 1000 vor Chris­tus. Man­che Din­ge ändern sich nie.

Version 2 — “epischer”

Mein Prompt:

etwas epi­scher 🙂

Wenamuns Reise ans Ende der Welt

Die Göt­ter hat­ten gespro­chen. Und so muss­te ein Mann auf­bre­chen.

Wenamun, Die­ner des gro­ßen Amun, Hüter der hei­li­gen Bar­ke zu The­ben, erhielt sei­nen Auf­trag in der küh­len Stil­le des Tem­pels. Das Schiff des Got­tes — jenes präch­ti­ge Gefährt, das Amun selbst durch die Pro­zes­si­ons­stra­ßen trug — brauch­te neu­es Holz. Liba­ne­si­sche Zeder, gewach­sen in den Ber­gen des Nor­dens, geküsst vom Tau des Mee­res. Nichts Gerin­ge­res wür­de genü­gen.

Wenamun gür­te­te sein Gewand, nahm das Gold und Sil­ber des Tem­pels an sich und trat in die glei­ßen­de Son­ne Ägyp­tens. Er wuss­te nicht, dass die Welt, die er kann­te, längst begon­nen hat­te zu brö­ckeln.


Das Reich in Scherben

Einst hat­te Ägyp­ten die Welt mit einem ein­zi­gen Wort regiert. Einst hat­ten Fürs­ten aus Kana­an und Phö­ni­zi­en gezit­tert, wenn ein Bote aus The­ben ankam. Einst.

Jetzt herrsch­te König Smen­des im Nor­den des Lan­des, in sei­ner Resi­denz­stadt Tanis — ein Pha­rao des Del­tas, fremd wie ein Frem­der, höf­lich wie ein Kauf­mann. Er emp­fing Wenamun mit gespreiz­ten Fin­gern und einem müden Lächeln, las die Brie­fe der Pries­ter­schaft und ließ den Gesand­ten des Amun auf einem Han­dels­kahn ein­schif­fen. Kein Geleit. Kein Ehren­zei­chen. Kein Zei­chen der alten Macht.

Wenamun stand am Heck des Schif­fes und sah Ägyp­ten klei­ner wer­den. Irgend­wo in ihm ahn­te er: Das war kein gutes Omen.


Der Dieb in der Nacht

Die Küs­te Paläs­ti­nas emp­fing ihn mit sal­zi­ger Luft und Ver­rat.

Im Hafen von Dor, wäh­rend die Nacht schwer auf dem Meer lag, ver­schwand ein Mann von Bord — und mit ihm das Gold, das Sil­ber, der Schatz des Amun. Alles weg. Gestoh­len wie ein Traum beim Erwa­chen.

Wenamun trat vor den Fürs­ten der Stadt, einen Mann namens Beder, und for­der­te mit der gan­zen Wür­de des Amun hin­ter sich: Gerech­tig­keit. Ent­schä­di­gung. Das Recht der Göt­ter auf Recht.

Beder schau­te ihn an, als wäre er ein Bett­ler.

„Wenn einer dei­ner eige­nen Män­ner das Geld gestoh­len hat”, sag­te er lang­sam, „dann ist das nicht mein Dieb. Das ist dei­ner.”

Neun Tage war­te­te Wenamun. Neun Tage, in denen die Son­ne auf­ging und unter­ging über einem Hafen, der ihm nichts gab als Schwei­gen. Dann stand er auf, schritt zum nächs­ten Schiff im Hafen — einem Schiff der Tje­ker, jener wil­den See­völ­ker des Nor­dens — und nahm sich, was er brauch­te. Nicht als Dieb. Als Werk­zeug des Amun.

Ich wer­de war­ten, dach­te er, bis mir jemand mein Recht gibt. Und bis dahin hal­te ich eures.


Der Fürst von Byblos

Byb­los lag wie ein Juwel an der Küs­te — eine Stadt so alt wie die Zeit, gebaut auf Han­dels­we­gen, auf Göt­tern, auf dem Blut unzäh­li­ger Gene­ra­tio­nen von See­fah­rern. Hier herrsch­te Tje­ker-Baal, ein Mann mit Augen wie polier­ter Bron­ze.

Er woll­te Wenamun nicht.

Tag für Tag ließ er ihm durch einen Boten aus­rich­ten: Ver­lass mei­nen Hafen. Du hast hier nichts zu suchen. Und Tag für Tag blieb Wenamun, trank Wein, betrach­te­te das Meer und war­te­te, wie nur ein Die­ner der Göt­ter war­ten kann — mit der ruhi­gen Gewiss­heit, dass Amun grö­ßer war als jede mensch­li­che Unge­duld.

Dann geschah das Wun­der.

Mit­ten im Opfer­ri­tu­al am Hof des Fürs­ten — inmit­ten von Weih­rauch und Gesang und dem tie­fen Dröh­nen der Trom­meln — wur­de ein jun­ger Mann ergrif­fen. Nicht von einem bösen Geist, nicht von Fie­ber. Von Amun selbst. Der Gott sprach durch ihn, laut und unzwei­deu­tig, in den gro­ßen Saal des Fürs­ten hin­ein:

Die­ser Mann wur­de gesandt. Ehrt ihn. Ehrt den Gott.

Tje­ker-Baal ließ Wenamun rufen.

Sie saßen ein­an­der gegen­über, der Fürst auf sei­nem Thron und der Gesand­te auf einem ein­fa­chen Stuhl, und zwi­schen ihnen lag die gan­ze Geschich­te zwei­er Wel­ten. Tje­ker-Baal sprach offen: Die Tage, in denen Ägyp­ten befahl und die Welt gehorch­te, sei­en vor­bei. Wer Holz aus dem Liba­non wol­le, der zah­le. Mit Gold, mit Sil­ber, mit Respekt.

Wenamun sprach von Amun. Von der Macht, die nicht in Armeen wohnt, son­dern in den Win­den des Mee­res und im Wachs­tum der Zedern selbst. Amun hat alles erschaf­fen, sag­te er. Auch die­se Bäu­me. Auch die­sen Hafen. Auch dich, Fürst.

Boten wur­den ent­sandt. Schif­fe kamen aus Tanis mit Geschen­ken — Gold und Sil­ber und Lei­nen und tau­send ande­re Din­ge. Tje­ker-Baal war zufrie­den. Er schick­te sei­ne Män­ner in die Ber­ge des Liba­non, und die Zedern­stäm­me fie­len einer nach dem ande­ren, und das Holz wur­de an den Strand gebracht, und Wenamun stand davor und sah, wie groß es war, und dach­te: End­lich.


Die Schiffe am Horizont

Aber die Göt­ter prü­fen die­je­ni­gen, die sie lie­ben, bis zum letz­ten Atem­zug.

Das Holz lag am Strand. Und es lag dort. Und die Mona­te ver­gin­gen, und die Trans­port­schif­fe aus Ägyp­ten kamen nicht. Und dann, eines Mor­gens, als Wenamun auf das Meer hin­aus­schau­te, sah er Segel.

Elf Schif­fe. Nicht ägyp­ti­sche.

Die Tje­ker. Und sie woll­ten ihn.

Er saß am Strand und wein­te. Nicht aus Feig­heit — son­dern aus jenem tie­fen, stil­len Schmerz eines Men­schen, der alles gege­ben hat und nun sieht, wie das Schick­sal die Hand aus­streckt, um es zurück­zu­neh­men. Eine Möwe lan­de­te neben ihm. Er schau­te sie an und dach­te: Glück­li­ches Tier. Nie­mand ver­folgt dich.

Tje­ker-Baal konn­te ihn nicht schüt­zen — nicht offen, nicht gegen elf Schif­fe. Aber er fand einen Weg. Er ließ die Tje­ker-Haupt­leu­te war­ten, ließ Wenamun heim­lich in der Nacht an Bord gehen, und flüs­ter­te ihm zu, bevor die Taue los­ge­bun­den wur­den:

„Lauf.”


Zypern

Das Schiff tanz­te auf dem Meer, und die Tje­ker-Schif­fe jag­ten es, aber der Wind war gnä­dig oder Amun war gnä­dig — viel­leicht bei­des — und Wenamun erreich­te die Küs­te Zyperns.

Aber auch dort war­te­te kein Will­kom­men. Eine auf­ge­brach­te Men­ge. Frem­de Gesich­ter. Hän­de, die nach ihm grif­fen.

Und dann: eine Frau. Die Fürs­tin der Stadt. Sie sprach. Die Men­ge wich zurück.

Wenamun leb­te.

Was danach geschah — ob er je wie­der ägyp­ti­schen Boden betrat, ob das Zedern­holz je die hei­li­ge Bar­ke des Amun trug, ob der Gott mit sei­ner Rei­se zufrie­den war — das hat kein Schrei­ber auf­ge­zeich­net. Der Papy­rus endet hier, mit­ten im Satz, mit­ten im Leben.


Viel­leicht ist das das Ehr­lichs­te an die­ser Geschich­te: Sie hat kein Ende. Wie das Leben selbst. Wie alle Rei­sen, die wirk­lich zäh­len.


Version 3 — Lustiger mit etwas schwarzem Humor

Mein Prompt:

Nun etwas lus­ti­ger, etwas schwar­zer Humor viel­leicht? Wenamun ist der Anti­held: Er star­te­te als Tiger und lan­de­te als Bett­vor­le­ger, aber immer sym­pa­thisch und die Sym­pa­thie der Leser ist auf sei­ner Sei­te.

Ha, das gefällt mir! Hier die Ver­si­on für Leu­te, die auch über Tra­gö­di­en lachen kön­nen:

Wenamun und die Katastrophenreise des Jahres 1000 v. Chr.

Es gibt Men­schen, denen man ansieht, dass sie gebo­ren wur­den, um Pech zu haben. Wenamun war so einer. Bra­ver Beam­ter, treu­er Die­ner des Amun, pünkt­lich bei der Arbeit, nie krank gemel­det. Und genau des­halb war er der­je­ni­ge, den man für die­se Rei­se aus­such­te.

„Du holst das Zedern­holz aus dem Liba­non”, sag­te der Hohe­pries­ter.

„Natür­lich”, sag­te Wenamun.

Er hät­te Nein sagen kön­nen. Er sag­te es nicht. Das war sein ers­ter Feh­ler.


Erster Akt: Der Staat, der keiner mehr ist

Wenamun reis­te zunächst nach Tanis, zur Nord­re­si­denz von König Smen­des — tech­nisch gese­hen Pha­rao, prak­tisch gese­hen: ein Mann, der Ägyp­ten regier­te wie jemand, der eine frem­de Woh­nung geerbt hat und sich noch nicht ganz traut, die alten Möbel weg­zu­wer­fen.

Wenamun über­reich­te die offi­zi­el­len Brie­fe der Pries­ter­schaft mit der Gran­dez­za eines Man­nes, hin­ter dem das mäch­tigs­te Reich der Welt steht.

Smen­des las die Brie­fe. Nick­te freund­lich. Und ließ Wenamun auf dem nächst­bes­ten Han­dels­kahn ein­schif­fen.

Kei­nen Palast­kreu­zer. Kei­nen mili­tä­ri­schen Ehren­kon­voi. Einen. Han­dels­kahn.

Wenamun stand an Deck, schau­te auf die schwin­den­de Küs­te Ägyp­tens, und beschloss, das Bes­te dar­aus zu machen. Er war schließ­lich Gesand­ter des Amun. Wür­de. Hal­tung. Con­ten­an­ce.

Die See­mö­wen lach­ten. Möwen tun das immer.


Zweiter Akt: Geld weg

In Dor, einer klei­nen Hafen­stadt an der paläs­ti­nen­si­schen Küs­te, leg­te das Schiff an. Wenamun schlief. Jemand von der Crew schlief nicht — jeden­falls nicht lan­ge, denn er stand auf, schnapp­te sich Wenamuns gesam­ten Rei­se­schatz, und war weg.

Gold. Sil­ber. Alles.

Wenamun wach­te auf und stell­te fest, dass er in einem frem­den Hafen saß, ohne einen ein­zi­gen Sche­kel, mit dem Auf­trag, im Liba­non Holz im Wert eines mitt­le­ren Königs­ver­mö­gens ein­zu­kau­fen.

Er tat, was jeder Beam­te in die­ser Lage tut: Er schrieb eine Beschwer­de.

Stadt­fürst Beder emp­fing ihn mit dem höf­li­chen Des­in­ter­es­se eines Man­nes, der gera­de Wich­ti­ge­res zu tun hat. „Das tut mir wirk­lich leid”, sag­te er in einem Ton, der das genaue Gegen­teil mein­te. „Aber wenn jemand von dei­ner Mann­schaft das Geld gestoh­len hat, dann ist das ja streng genom­men dein Pro­blem.”

„Und du als Stadt­fürst bist nicht zustän­dig?”

„Ich bin zustän­dig für mei­ne Stadt. Nicht für dei­ne Matro­sen.”

Wenamun war­te­te neun Tage. Neun Tage, in denen Beder das Pro­blem mit beein­dru­cken­der Kon­se­quenz igno­rier­te, wäh­rend Wenamun täg­lich vor­stel­lig wur­de und täg­lich freund­lich, aber bestimmt, abge­wim­melt wur­de — wie ein Paket­bo­te, der klin­gelt und klin­gelt, wäh­rend drin­nen jemand reg­los auf dem Sofa sitzt.

Am neun­ten Tag ver­lor Wenamun die Geduld. Er ging in den Hafen, such­te sich das teu­ers­te Schiff der Tje­ker-Kauf­leu­te her­aus, und nahm deren Sil­ber als Pfand. Ein­fach so.

„Ihr bekommt es zurück”, rief er den fas­sungs­lo­sen Besit­zern zu, „wenn mir jemand mein Geld ersetzt!”

War das legal? Nein. War es klug? Auch nein. War es das ver­zwei­fel­te Auf­bäu­men eines Man­nes, dem es schlicht reich­te? Abso­lut ja.


Dritter Akt: Der Fürst, der ihn nicht wollte

Byb­los. Phö­ni­zi­sche Hafen­stadt, wohl­ha­bend, selbst­be­wusst, und regiert von Tje­ker-Baal — einem Mann mit der Wär­me eines frisch gefan­ge­nen Fisches.

Tje­ker-Baal woll­te Wenamun nicht sehen. Er ließ ihm das täg­lich mit­tei­len, in wech­seln­der For­mu­lie­rung, aber stets mit der­sel­ben Kern­bot­schaft: Du bist hier nicht will­kom­men. Bit­te geh.

Wenamun blieb. Was soll­te er auch sonst tun — nach Hau­se schwim­men?

Neun­zehn Tage ver­gin­gen. Jeden Mor­gen kam der Bote. Jeden Mor­gen blieb Wenamun. Es war ein stil­ler Kampf zwei­er Stur­köp­fe, und Wenamun gewann — nicht durch Stär­ke, son­dern durch schie­re Hart­nä­ckig­keit und den Man­gel an Alter­na­ti­ven.

Dann, als Wenamun bereits über­leg­te, ob er viel­leicht ein­fach hier ster­ben und das als Plan B akzep­tie­ren soll­te, pas­sier­te etwas Uner­war­te­tes: Ein Höf­ling des Fürs­ten geriet wäh­rend eines Ritu­als in reli­giö­se Eksta­se und ver­kün­de­te laut­stark, dass Amun per­sön­lich hin­ter die­ser Rei­se ste­cke und man den Gesand­ten gefäl­ligst emp­fan­gen sol­le.

Tje­ker-Baal ließ Wenamun rufen.

Das Gespräch, das folg­te, war das diplo­ma­ti­sche Äqui­va­lent eines Box­kamp­fes. Der Fürst erklär­te in aller Deut­lich­keit, dass Ägyp­ten zwar frü­her groß gewe­sen sei, aber eben frü­her. Dass er nie­man­des Unter­tan sei. Dass Holz Geld kos­te. Viel Geld.

Wenamun hielt dage­gen — mit Wür­de, mit Rhe­to­rik, mit theo­lo­gi­schen Argu­men­ten über die All­macht Amuns —, und irgend­wo in der Mit­te einig­ten sie sich dar­auf, dass Boten nach Tanis geschickt wür­den, um ech­te Bezah­lung zu holen.

Es war ein Sieg. Ein klei­ner, müh­sa­mer, leicht beschä­men­der Sieg — aber immer­hin.


Vierter Akt: Das Warten

Das Holz wur­de gefällt. Rie­si­ge Zedern­stäm­me, frisch aus den Ber­gen des Liba­non, lagen am Strand von Byb­los in der Son­ne.

Und lagen.

Und lagen.

Zwei Jah­re lang.

Die Trans­port­schif­fe aus Ägyp­ten kamen nicht. Wenamun war­te­te. Er wur­de dabei ver­mut­lich braun gebrannt, etwas dün­ner, deut­lich phi­lo­so­phi­scher. Man kann sich vor­stel­len, wie er abends am Strand saß, auf das Meer starr­te, und dar­über nach­dach­te, was im Leben alles schief­ge­hen kann, wenn man „Natür­lich” sagt, wenn man bes­ser Nein gesagt hät­te.


Fünfter Akt: Elf Schiffe

Eines Mor­gens kamen Segel am Hori­zont. Elf Stück. Tje­ker-Kriegs­schif­fe.

Und sie waren nicht wegen der Aus­sicht gekom­men.

Wenamun saß am Strand und wein­te. Nicht thea­tra­lisch — ein­fach so, wie ein Mensch weint, dem es gera­de zu viel wird. Eine Möwe lan­de­te neben ihm. Er benei­de­te sie von Her­zen.

Tje­ker-Baal, zu sei­ner Ehre, wei­ger­te sich, einen Gesand­ten auf sei­nem Grund und Boden aus­zu­lie­fern. Aber er konn­te nicht ewig schüt­zend die Arme aus­brei­ten. Also fand er die prak­tischs­te Lösung: Er ließ Wenamun nachts heim­lich ans Meer brin­gen und gab ihm ein Schiff.

„Lauf.”

Das waren die wärms­ten Wor­te, die Wenamun in den letz­ten Mona­ten gehört hat­te.


Letzter Akt: Zypern, oder: Es reicht jetzt wirklich

Das Schiff erreich­te Zypern. Wenamun, erschöpft, plei­te, ver­folgt von einem hal­ben Dut­zend See­völ­kern, tau­mel­te an Land.

Die Ein­hei­mi­schen woll­ten ihn umbrin­gen.

Natür­lich woll­ten sie das.

Wenamun kämpf­te sich zur Fürs­tin der Stadt vor — mit letz­ter Kraft, letz­ten Wor­ten, letz­tem Atem — und rede­te um sein Leben. Die Fürs­tin hör­te zu. Sie hat­te Gna­de. Sie ließ ihn leben.

Und hier endet die Geschich­te. Mit­ten im Satz. Mit­ten im Leben. Der Papy­rus hört ein­fach auf, als hät­te der Schrei­ber das Schreib­rohr hin­ge­wor­fen und gesagt: Ich kann nicht mehr. Ich auch nicht.


Ob Wenamun je nach Hau­se kam, wis­sen wir nicht. Ob das Holz je Ägyp­ten erreich­te, wis­sen wir nicht. Ob er, wenn er zurück­kam, sofort die nächs­te Dienst­rei­se zuge­teilt bekam — das kön­nen wir uns leb­haft vor­stel­len.

Möge Amun ihm gnä­dig sein. Er hat es ver­dient.


Mein Fazit: Super!